Hygienespeicher

Ein Hygienespeicher ist ein Pufferspeicher mit integriertem Edelstahl-Wellrohr, der technisches Heizungswasser speichert und Trinkwasser erst im Moment des Zapfens im Durchlaufprinzip erwärmt. Dadurch wird kein stehendes Warmwasservolumen bevorratet, was zuverlässigen Schutz vor Legionellen bietet.

Was ist das / Wie funktioniert es

Ein Hygienespeicher nutzt ein doppelwandiges Funktionsprinzip: Das gesamte Behältervolumen ist mit totem, technischem Heizungswasser gefüllt, das als Wärmespeicher dient. Durch diesen Heizwassertank verläuft vom Kaltwasseranschluss unten bis zum Warmwasserauslass oben ein langes, wendelförmig gewickeltes Wellrohr aus lebensmittelechtem Edelstahl (typischerweise etwa Werkstoff 1.4404).

Wird im Haus ein Wasserhahn geöffnet, strömt kaltes Trinkwasser mit Leitungsdruck durch das Edelstahl-Wellrohr. Über die profilierte, wellige Rohroberfläche wird die Wärme aus dem umgebenden Heizwasser im Gegenstrom rasch an das durchfließende Trinkwasser übertragen.

Das im Wellrohr befindliche Trinkwasservolumen ist minimal (typischerweise etwa 25 bis 45 Liter). Bei jedem Zapfvorgang wird dieser geringe Inhalt komplett ausgetauscht.

Wann ist es sinnvoll

Hygienespeicher sind besonders gefragt bei sicherheitsbewussten Modernisierern und regenerativen Heizkonzepten:

  • Abgrenzung zu klassischen Trinkwarmwasserspeichern: In herkömmlichen Warmwasserspeichern stehen typischerweise etwa 200 bis 400 Liter warmes Trinkwasser über längere Zeit. Sinken die Temperaturen unter etwa 55 bis 60 °C, kann Legionellenwachstum begünstigt werden. Beim Hygienespeicher gibt es kein stehendes Trinkwasser-Großvolumen, wodurch das Legionellenrisiko baulich minimiert wird.
  • Abgrenzung zu Tank-in-Tank-Kombispeichern: Bei älteren Kombispeichern hängt ein zweiter kleiner Trinkwasserkessel im Heizwasser. Auch dort steht das Trinkwasser über Stunden still. Das Wellrohr des Hygienespeichers garantiert dagegen echtes Durchlaufprinzip.
  • Abgrenzung zu externen Frischwasserstationen: Eine Frischwasserstation benötigt eine zusätzliche Zirkulationspumpe, einen Plattenwärmetauscher und eine elektronische Schnellregelung. Der Hygienespeicher arbeitet rein passiv ohne Strom und ohne bewegliche Teile.

Worauf achten

Trotz der konstruktiven Vorzüge müssen spezifische Auslegungskriterien berücksichtigt werden:

  • Druckverlust bei Spitzenzapfung: Durch die wellige Innenstruktur des Rohrs entsteht bei hohen Durchflussmengen (etwa beim gleichzeitigen Betrieb zweier Duschen) ein spürbarer hydraulischer Druckverlust. Das Rohr muss entsprechend groß dimensioniert sein (typischerweise etwa Nennweite DN 32).
  • Kalkausfällung bei hohen Puffertemperaturen: Wird der Speicher mit Scheitholz oder Solarthermie auf typischerweise etwa über 70 bis 80 °C aufgeheizt, kann sich bei kalkhaltigem Trinkwasser Kalk an der Rohrinnenseite anlagern. Durch den sogenannten „Ziehharmonika-Effekt“ (elastische Verformung des Wellrohrs bei Druckstößen) platzen leichte Ablagerungen zwar oft von selbst ab, dennoch sollte ein Verbrühschutzventil (Thermomischer) am Ausgang installiert werden.

Häufige Fragen

Warum gilt ein Hygienespeicher als besonders hygienisch?

Weil er das Trinkwasser nicht über längere Zeit in einem Kessel stehen lässt, sondern erst im Moment des Verbrauchs im Durchlaufverfahren frisch erwärmt. Der geringe Rohrinnhalt wird bei jeder Entnahme vollständig ausgetauscht, was Keimen und Legionellen keinen Nährboden bietet.

Benötigt ein Hygienespeicher eine Opferanode?

Nein, das trinkwasserführende Wellrohr besteht aus hochwertigem Edelstahl, der korrosionsbeständig ist. Der Außenbehälter enthält technisches Heizungswasser ohne Sauerstoff, sodass auch hier keine Schutzanode erforderlich ist.

Reicht die Schüttleistung für das gleichzeitige Befüllen einer Badewanne?

Ja, bei fachgerechter Dimensionierung des Puffervolumens und ausreichend hoher Speichertemperatur liefert das Wellrohr kontinuierlich hohe Zapfleistungen von typischerweise etwa 20 bis 35 Litern pro Minute.

Kann man Solarthermie oder einen Kaminofen anschließen?

Ja, Hygienespeicher sind sehr gut geeignet für Solarthermie und wasserführende Öfen. Viele Modelle besitzen im unteren Bereich einen zusätzlichen Glattrohr-Wärmetauscher speziell für den Solarkreis.

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