Was ist das / Wie funktioniert es
Bei einer modernen Öl-Brennwertheizung wird flüssiges Heizöl über eine Hochdruckdüse fein zerstäubt und mit Verbrennungsluft im Brennraum verbrannt. Die entstehenden heißen Abgase werden anschließend durch einen korrosionsbeständigen Wärmetauscher aus Edelstahl oder Aluminium-Silizium geführt.
Im Gegenstrom fließt das kühlere Heizungsrücklaufwasser durch den Wärmetauscher. Der Taupunkt von Abgas aus Heizöl EL liegt bei typischerweise etwa 47 bis 48 °C (und damit niedriger als bei Erdgas). Sobald die Rücklauftemperatur unter diesen Wert sinkt, kondensiert der im Abgas gebundene Wasserdampf. Die freiwerdende Kondensationswärme wird dem Heizsystem zugeführt.
Das abgekühlte Abgas wird über ein säure- und druckdichtes Kunststoff- oder Edelstahlrohr durch den Kamin abgeleitet, während das saure Kondensat über einen Siphon abgeführt wird.
Wann ist es sinnvoll
Öl-Brennwerttechnik ist die moderne Option für Gebäude, die weiterhin auf flüssige Brennstoffe setzen:
- Abgrenzung zu alten Niedertemperatur-Ölkesseln: Veraltete Konstant- oder Niedertemperaturkessel leiten Abgase mit typischerweise etwa 140 bis über 200 °C ab. Ein Austausch gegen ein Öl-Brennwertgerät senkt den Brennstoffverbrauch typischerweise um etwa 10 bis 20 Prozent.
- Abgrenzung zu Gasheizungen: Ölheizungen eignen sich für ländliche Gebiete ohne Anbindung an ein öffentliches Erdgasnetz. Allerdings ist bauseits ein eigener Raum für die Öltankanlage erforderlich.
- Hybridlösungen im Bestand: In energetisch unsanierten Altbauten mit sehr hoher Heizlast kann ein Öl-Brennwertgerät als bivalenter Spitzenlastkessel mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kombiniert werden.
Worauf achten
Beim Betrieb einer Öl-Brennwertanlage sind spezifische Brennstoff- und Abwasservorschriften zu beachten:
- Brennstoffqualität Schwefelarm: Es sollte ausschließlich Heizöl EL schwefelarm (Schwefelgehalt unter 50 mg/kg) getankt werden. Dies schont die Wärmetauscherflächen, minimiert saure Rückstände und verlängert die Wartungsintervalle.
- Kondensat-Neutralisationseinrichtung: Da Ölkondensat sauer ist (pH-Wert typischerweise etwa 2 bis 3), verlangen viele kommunale Abwassersatzungen bei Einleitung in metallische Abwasserrohre eine Neutralisationsbox mit Kalkstein-Granulat, um Schäden am Rohrnetz zu verhindern.
- Abgassystem: Das Abgas muss durch ein bauaufsichtlich zugelassenes, feuchteunempfindliches Rohr (z. B. aus PTFE, PP oder hochwertigem Edelstahl) geführt werden.
Häufige Fragen
Warum ist der Taupunkt bei Öl niedriger als bei Gas?
Bei der Verbrennung von Heizöl entsteht chemisch bedingt weniger Wasserstoff und somit weniger Wasserdampf im Abgas als bei Erdgas. Daher muss das Rücklaufwasser typischerweise unter etwa 47 °C abgekühlt sein, damit die Kondensation einsetzt.
Braucht eine Öl-Brennwertheizung eine Neutralisationsbox?
Bei kleineren Anlagen im Einfamilienhaus bis typischerweise etwa 25 kW ist eine Neutralisation nach dem Arbeitsblatt DWA-A 251 nicht zwingend vorgeschrieben, wenn die Hausabwasserrohre aus Kunststoff oder Steinzeug bestehen. Bei älteren Gussrohren oder nach Vorgabe der örtlichen Entwässerungssatzung ist eine Granulat-Neutralisationsbox jedoch vorgeschrieben.
Welches Heizöl muss verwendet werden?
Moderne Öl-Brennwertgeräte sind für Heizöl EL schwefelarm optimiert. Viele moderne Blaubrenner können zudem anteilig biogene Flüssigbrennstoffe (wie hydriertes Pflanzenöl HVO) verbrennen, sofern der Hersteller dies freigegeben hat.
Kann eine Öl-Brennwertheizung mit Solarthermie kombiniert werden?
Ja, die Kombination mit Solarthermie zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung ist eine bewährte Praxis, um den jährlichen Ölverbrauch vor allem im Sommer und in den Übergangsmonaten stark zu reduzieren.